Wanderbank: Ausstellung im Sozialministerium

7f6b9c596fReisende und Ratlose, Gutbetuchte und Gescheiterte, Neugierige und Nichtsesshafte – sie alle haben die Wanderbank der bayerischen Bahnhofsmissionen auf ihrer Tour durch den Freistaat schon „besessen“. Jetzt stand die schlichte Holzbank im Foyer des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration in der Münchner Winzererstraße und lud auch hier dazu ein, Platz zu nehmen – um zu sehen und zu hören, was andere zu erzählen haben. Auch Staatssekretär Johannes Hintersberger (Foto: StMAS) folgte der Einladung und würdigte bei dieser Gelegenheit die Arbeit der Bahnhofsmissionen.

„Geschichten und Bilder von der Wanderbank der Bayerischen Bahnhofsmissionen“ heißt die Ausstellung, die im Sozialministerium Station machte. Sie zeigt „Momentaufnahmen vom sozialen Hotspot Bahnhofsmission“, so Ministerialdirigent Burkhard Rappl bei der Eröffnung. Auf zahlreichen Fotos und in Audioaufnahmen werden die Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die sonst kaum wahrgenommen werden, weil sie am Rande der Gesellschaft stehen. Ihnen gibt die Ausstellung ein Gesicht und ihren Geschichten ein Forum.

Mithilfe eines virtuellen Daumenkinos werden beispielsweise Erzählungen zum Leben erweckt, die eine Geschichtensammlerin notierte. In der Tradition der fast schon vergessenen Kunstform kommt auch dieses Daumenkino ohne Special Effects aus - dank eindringlicher Bilder und unterlegt mit Originalkommentaren der Menschen auf der Bank.

„Das Markenzeichen der Bahnhofsmissionen ist die uneingeschränkte und würdevolle Unterstützung aller Menschen“, sagte Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger bei seinem Ausstellungs-Rundgang, „alle, die sich hier engagieren, leisten wertvolle Hilfe unmittelbar vor Ort. Sie sind offen und freundlich zu jedem der kommt und Unterstützung braucht. Ich danke den vielen Mitarbeitenden der Bahnhofsmission, die hier täglich im Einsatz sind. Sie erbringen einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft." Fast 250 000 Mal nahmen Hilfesuchende 2015 die unbürokratische Unterstützung der 13 Bahnhofsmissionen in Bayern in Anspruch. Die 320 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden erbrachten fast 470 000 Hilfeleistungen.

„Natürlich ist die akute Notversorgung und die Vermittlung in weiterführende Angebote eine wichtige Aufgabe in den Bahnhofsmissionen“, betonte Hedwig Gappa-Langer, zuständige Referentin bei IN VIA Bayern e.V., „genauso viel Wert legen wir aber darauf, den Menschen mit all ihren Eigenheiten einen Platz und ein Ohr zu bieten.“

Aus diesem Gedanken heraus entwickelten die Künstlerin Christiane Huber und Sanne Kurz als Fotografin für die Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern die „Wanderbank“. Das Projekt der beiden Künstlerinnen wählt die Bank als Treffpunkt, als Ort des Ruhens, des Austausches und als Gegenpol zum regen Leben, der Hektik und Anonymität der Bahnhöfe. Auf der Bank nimmt auch immer wieder eine Geschichtensammlerin Platz, meist die Künstlerin selbst. So wird sie schnell zu einem Magneten für die Menschen. „Wir haben deutlich gemerkt, wie wichtig es für viele Menschen ist, zwanglos von sich erzählen zu können, dass ihnen jemand zuhört und sie ernst nimmt“, resümiert Hedwig Gappa-Langer. Ihr besonderer Dank galt nicht nur dem renommierten Autor Friedrich Ani, der als „Geschichtensammler“ auf der Wanderbank in München das Projekt unterstützte: „Die Förderung durch das Bayerische Sozialministerium ermöglicht es uns, die Bahnhofsmissionsarbeit in guter ökumenischer Tradition gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Bayern kontinuierlich weiterzuentwickeln und auch besondere Projekte wie die Wanderbank durchzuführen. Das stärkt unsere Gäste.“

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